Thomas Kindt

HEUTE

Von aussen betrachtet geht es uns in Europa so gut wie noch nie zuvor. Wir leben immer länger und haben immer mehr: materielle Güter, Wohlstand, aber auch Wissen. Ein Haus, ein Auto, Ferienreisen in ferne Länder; unser Gesundheitssystem ist hervorragend, wir haben den höchster Bildungsstand seit Menschengedenken und jede Information ist nur einen Mausklick entfernt. Paradiesische Zustände, sollte man meinen. Wir haben das erreicht, was sich Generationen vor uns immer gewünscht haben. Sind wir also am Ziel unserer Träume?

Die Statistiken sprechen eine andere Sprache. Die Depressionsrate ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und ein Ende dieses Aufwärtstrends ist nicht absehbar. Mit der Menge der Burnout-Fälle sieht es nicht anders aus. Und wir müssen nicht einmal trockene Zahlen bemühen – ein Blick in die Gesichter der Menschen, die uns auf der Strasse, im Zug oder an der Kasse im Supermarkt begegnen, reicht aus, um zu erkennen: da ist nicht etwa Freude, Erfüllung oder Dankbarkeit, sondern eine grosse, allgegenwärtige Leere.

 

IM SPIEGEL DER WELT

Die Welt mit allem, was darin passiert, dem Grossen und dem Kleinen, Ereignissen in fernen Ländern, in der Natur, in unserer Stadt oder in unserer Familie, diese Welt ist ein Spiegel für uns – für uns als Gemeinschaft, aber auch für uns ganz persönlich, für unsere eigene Geschichte, für unser eigenes Leben.